Analysen von Menschen, Handlungen und Obsessionen der regierenden Partei kurz gefasst

 

zu anderen Buchstaben: A, F, K

 

T wie Tupolewismus

In ihrem Alltag stolpert die PiS-Regierung von einem Unfall in den anderen, durch Vernachlässigung aller möglichen Prozeduren nach dem Prinzip: „Es wird schon irgendwie gehen“. Für die, die es nicht wissen: Es ist das Syndrom des Tupolewismus (der Begriff kommt von dem Journalisten Zbigniew Parafianowicz aus der „Gazeta Prawna“). Der Tupolewismus ist eine Mischung aus übersteigerten Ambitionen, Berauschtheit durch einen sozialen Aufstieg, politischen Bombastismus und Missachtung von Sicherheitsvorschriften. Das alles, was auch die Flugkatastrophe der Präsidentenmaschine Tupolew 154 in Smolensk am 10. April 2010 verursachte. Von den PiS-Leuten wurden diese Kollisionen immer als Verschwörung oder als Verschleierung eines Putsches der Opposition gesehen. Sie sollten durch Gebete der Regierung in Tschenstochau abgewehrt werden.

Im März vergangenen Jahres platzte an der Limousine des Präsidenten Andrzej Duda ein Reifen. Infolgedessen fuhr der Wagen in den Graben an der Autobahn A4. Hektisch kommentierte die rechte Presse den Unfall als Attentat. Es stellte sich heraus, dass ein seit Jahren veralterter Reifen zu dem Unfall führte. Die Schuld gab man der vorherigen Regierung. Am 5. Dezember versuchte die heldenhafte Mannschaft der „guten Wende“, die sich auf dem Rückweg von Groß-Britannien nach Polen befand, die Teilnehmer der Reise, die mit zwei Flugzeugen nach London kamen, in eine Regierungsmaschine zu stopfen. Die Hälfte der Regierung plus 200 Personen in einer Maschine! In diesem Chaos entschied der Pilot, dass er eine überlastete Maschine nicht fliegen wird. Es gab keine Tragödie, und die polnische Staatsanwaltschaft stellte fest, dass nichts passierte, weil eine Zivilmaschine nicht der HEAD-Regel unterliegt, die beim Transport von VIPs verwendet wird.

Am 25. Januar dieses Jahres hat es der Verteidigungsminister geschafft, an einem Tag an der Bestattung von General Janusz Brochowicz-Lewiński am Powązki-Friedhof in Warschau teilzunehmen und dann die Hochschule vom Pater Rydzyk in Thorn zu besuchten [ca. 260km; Anm. d. Ü.]. Er wollte noch nach Warschau zurückkehren zur Feierlichkeit der Überreichung des Preises „Der Mensch der Freiheit“ an Kaczyński. Noch bevor er die Hauptstadt erreichte, wurde seine Autokolonne an einem „Straßenereignis“ beteiligt, in dem acht Autos vernichtet wurden, dabei zwei Regierungs-BMWs. PiS zufolge war das Umsteigen des Ministers und seines Fahrers(!) in ein funktionstüchtiges Fahrzeug und die Fortsetzung der Fahrt, ohne Beachtung des verursachten Schadens, ein korrektes Verhalten, weil die Kollision ein Attentat sein könnte.3

10. Februar 2017 in Oświęcim kam es zu einem Unfall, in dem der Wagen der Premierministerin Beata Szydło gegen einen Baum fuhr und die Premierministerin verletzt wurde. Außer ihr wurden zwei Beamte des Sicherheitsdienstes verletzt. Der Vizeminister für Inneres Jarosław Zieliński, dem der Sicherheitsdienst unterliegt, wusste bereits bevor die Untersuchung anfing, dass der Unfall durch einen jungen Fahrer des Fiat Seicento verschuldet wurde. Aber für eine eventuelle Schuld des Sicherheitsdienstes ist … der Staatsanwalt zuständig. Wie ein Echo wiederholten die rechten Medien die Vermutung eines Attentats. Dazu noch die These, dass der Fahrer der Regierungs-Limousine verpflichtet war, alle Verkehrsteilnehmer zu schützen und deswegen absichtlich gegen den Baum krachte. Wir bitten, das nicht mit einer mangelnden Schulung zu verwechseln. Nur schade um die Frau Premierministerin, weil sie weniger Glück als der Minister Macierewicz hatte.

 

MPM

Übersetzung: Jerzy Paetzold

Erschienen ursprünglich auf Polnisch in der Zeitschrift „DEKODER“ (13/2017)

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