Analysen von Menschen, Handlungen und Obsessionen der regierenden Partei kurz gefasst

 

zu anderen Buchstaben: A, F, T

 

K wie Kampf gegen Wałęsa

Die Sache mit der Spitzeltätigkeit ist für die politische Beurteilung von Lech Wałęsa nicht wichtig. Dass Wałęsa in den 70er Jahren Probleme mit dem Sicherheitsdienst hatte, wusste man in der „Solidarność“ noch vor der Wende. Wałęsa selbst gab es zu noch vor dem August 1980 auf einer Versammlung der Danziger Opposition. Und es war bekannt, dass er die Mitarbeit abgebrochen hat, und dass er ein authentischer Führer war, nicht nur pro forma.

Die Sache mit der Spitzeltätigkeit ist aber wichtig, neutral gesehen, nur für zwei Personen. Für Wałęsa, und damit macht das Lager von Kaczyński seine Spielchen und für Jarosław Kaczynski selbst. Weil er meint, Wałęsa vernichten zu müssen.

Erstens: Lech Wałęsa hat einen Fehler gemacht. Nach 1989 durchsuchte er seine Akten, vernichtete Unterlagen. Er zeigte der Welt, dass die Sache ihm wehtut. Er zeigte sein Leiden. Aber das darf man nicht tun, wenn man mit Kaczyński zu tun hat, schreibt Krasowski in „Polityka“. Es ist ein Zitat aus dem berühmten Triptychon über Wałęsa, das 2013 veröffentlicht wurde. Es wurde breit diskutiert und kritisiert wegen des „monarchistischen“ Blicks auf den Chef von „Solidarność“.

Zweitens: Im Wahlkampf von Kaczyński wurde Wałęsa zum Gesicht der polnischen Demokratie. Also je stärker er [Kaczyński] sie dämonisieren wollte, desto stärker griff er Wałęsa an. Und das treibt er bis heute. Sogar wenn sich die Meinung von Krasowski anfechten lässt und durch die monarchistischen Sentiments stört, Kaczyński denkt ähnlich [wie Krasowski], und das ist der Schlüssel zu dem Problem.

Kaczyński ist der einzige Mensch, der Wałęsa in gewissem Sinne besiegte, sagt Krasowski. Und gleichzeitig, ein schönes Paradox, je mehr er nicht aufhören kann, mit Wałęsa zu kämpfen (und er kann nicht aufhören), desto mehr verliert er. Zwar ist es ihm gelungen, die junge Generation mit der Obsession der Jagd auf Bolek [Deckname von Wałęsa bei dem Sicherheitsdienst; Anm. d.Ü.] anzustecken. Aber die eigene Vergangenheit besiegt er nicht. Dass er den Augenblick verschlafen hat, in dem er ein echter Held in der polnischen Fantasie hätte werden können. Und dass er dazu keine Veranlagung hat.

Egal was er täte, was er träumen würde (bereits 1994 sagte er zu Teresa Torańska, im berühmten Interview, dass er der Erlöser der Nation sein will), wird er Zwei Große Polen nicht einholen können. Es wird kein Triumvirat im historischen Gedächtnis geben. Weil, hier das letzte Zitat von Krasowski, unter den [polnischen] Politikern Piłsudski und Wałęsa die einzigen Gestalten des 20. Jhd. sind, welche die polnische Geschichte wirklich behalten wird. Nicht weil sie die Unabhängigkeit erkämpften, Individuen haben nicht so eine große Macht. Die Geschichte wird sie behalten, weil sie vermochten in einem so dramatischen Augenblick wie die Wiedererlangung der Unabhängigkeit, auf der Höhe der Aufgabe zu stehen und tapfer, energisch und intelligent wirkten. Sie gaben den Polen einen Grund, stolz zu sein. Und sie weckten die Bewunderung von anderen Nationen.

MPM

Übersetzung: Jerzy Paetzold

Erschienen ursprünglich auf Polnisch in der Zeitschrift „DEKODER“ (12/2017)

Advertisements