Analysen von Menschen, Handlungen und Obsessionen der regierenden Partei kurz gefasst

 

zu anderen Buchstaben: A, K, T

 

F wie Falschismus

Wir fanden in der polnischen Wirklichkeit ganze sieben Analogien mit dem Faschismus. Aber nicht mit dem extremen Faschismus aus Nazi-Deutschland. Uns reicht der italienische, aus der Zeit von Benito Mussolini! Unserer Meinung nach verdient er einen heimischen Namen.

Einige wesentliche Elemente, die den Faschismus ausmachen, kann man in der polnischen Wirklichkeit finden: Despotismus, Nationalismus, Führerschaft. Für die italienischen Faschisten hatte der Führer immer recht, bei uns ist es ähnlich. Über alles entscheidet ein Organ, das außerhalb der Verfassung steht, der Abgeordnete Kaczyński. Wir sind auch am Beginn des Aufbaus eines Instrumentariums, das in der Zukunft erlauben wird, die Gegner der Staatsmacht zu vernichten: Änderungen im Verfassungsgericht, in der Staatsanwaltschaft, in den Diensten. Dazu kommen die gegenwärtigen Versuche, die Gesellschaft zu militarisieren. Minister Macierewicz verzichtet auf eine Modernisierung der Streitkräfte (vor den Aggressoren verteidigt uns die NATO). Die ganze Kraft geht in den Aufbau der Verteidigung gegen interne Feinde der Staatsmacht. Eine Territorialverteidigung soll den Respekt vor der einzig richtigen Staatsmacht fördern.

Die nächste Analogie: Mussolini hasste den Völkerbund, PiS hat die EU als Feind. Ähnlich instrumentalisierten sie die Frage der Souveränität durch Kreieren der künstlichen Feinde. Das fünfte Element, Imperialismus, können wir nicht dazufügen. Es ist für uns nicht leicht, jemanden zu unterwerfen. Aber das Denken über Geschichte macht PiS dem italienischen Faschismus ähnlich. Sie betrachteten die Geschichte auch selektiv, zu politischen Zwecken. Dazu noch Etatismus in der Wirtschaft, das nächste analoge Element, das Italien von Mussolini mit dem heutigen Polen von PiS verbindet.

Und schließlich der wichtigste Aspekt: die Sprache. Keine Staatsmacht in Polen benutzte eine ähnlich ordinäre Sprache gegen ihre politischen Widersacher, sagt über PiS Prof. Roman Kuźniar, ein Politologe und Diplomat, auf dessen Analyse wir uns berufen. Das ist eine faschistische Sprache im vollen Sinne des Wortes. Sie trennt Menschen in Kategorien: Untermenschen („schlechtere Sorte“, „Verräter“) und Übermenschen („echte Polen“). Wer mit der Macht zusammenhält, ist ein besserer Mensch per Definition.

Der Unterschied ist aber der, dass die italienischen (und die deutschen) Faschisten ihren Gesellschaften eine Vision der gesellschaftlichen Ordnung und ein imperiales Versprechen gaben. Jarosław Kaczyński interessiert alleine ein System, das dauernd seine Macht bestätigt und seine Straflosigkeit garantiert. Wenn diese Tendenzen anhalten, wird in Polen unsere Form des Faschismus entstehen. Sie wird wahrscheinlich einen eigenen Namen bekommen. Bereits heute sagen einige Medien ironisch: Kaczismus. Wir schlagen aber einen anderen Namen vor, im Hinblick auf die dominierende Rolle der spezifischen Sprache der neuen Staatsmacht, die massiv Lügen und Verdrehungen benutzt: FALSCHISMUS.

MPM

Übersetzung: Jerzy Paetzold

Erschienen ursprünglich auf Polnisch in der Zeitschrift „DEKODER“ (12/2017)

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